Rundgang durch die Georgskirche

Paradiespforte

12. Jahr­hundert, romanisch, die rechte Säule 1928 erneuert. Gestuf­tes Säulenportal mit umlaufendem Tauband, das im Tym­panon zwei Bögen mit in Wechsel gesetzten Schachbrett­ornamenten umschließt, Darstellung des Kosmos. Diese umfassen ein umlaufendes Rankenwerk, das vom unteren waagerechten, mit Blütenrosetten geschmückten Basisbal­ken aufsteigt, Darstellung des Paradieses. Im Innenfeld, in das rechts und links ein Lebensbaum hineinragt, die Kreuzigungsszene, das mittlere Kreuz auf einer Halbkugel von zwei einfachen Kreuzen flankiert.

Triumphkreuz

Übergangszeit Romanik /Gotik (Original im Museum für Kunst- und Kulturgeschichte Dortmund). Krückenkreuz in roter Färbung mit blauer Fassung, ehemals auf einem Triumphbalken. Christusgestalt mit Nimbus und Krone, als lebender Christus mit leicht nach rechts geneigtem Kopf, gewelltem Haar, Bart und sanftem Gesichtsausdruck dargestellt. Die Harmonie des Körpers, der schönlinige Fal­tenwurf des zur rechten Hüfte gezogenen Lendentuches zeigen Verwandtschaft mit den „Beau Dieu"-Darstellungen (E. Meyer) des Kölner Raumes. Die Grundzüge, insbeson­dere die starke Profilierung des Brustkorbs und der Bauchpartie, sind romanisch, die übereinandergeschlage­nen, durch einen Nagel fixierten Füße, die Proportionen zeigen gotischen Einfluß. - Replik, am 10. 11. 1981, gehängt durch die Fa. Ochsenfahrt, Paderborn.

Altar

Früher stand der Altar vor dem östlichen Chorabschluß, damit der Priester dahinter Platz hatte, er zelebrierte mit Blick auf die Gemeinde. Erst in der romanischen Zeit hatte der Altar seinen Platz in der Chorapsis, als der Priester seine Gebete nach Osten gewandt auszuführen hatte. Ein solcher Altar bestand aus der Altarplatte, der „Mensa" (= Tisch), die aus Stein war und den Stein vor dem Grab Jesu symbolisierte, und ihrem Träger, dem „Stipes" (= Stamm). Dieser Stipes war ein massiver Block (Blockaltar) oder ein hohler Kasten (Kastenaltar) zur Aufbewahrung von Re­liquien und Altargerät. Er symbolisierte den Sarkophag Jesu Christi, aus dem heraus er in der Verwandlung als der Erhöhte zum Himmel auffuhr. Die dritte Art ist der Tischal­tar mit Stützen oder Säulen, dessen- Vorderansicht verklei­det war mit dem Antependium (= Vorhang). Den Tisch bedeckten ein oder mehrere Tücher. Solche Altäre wurden durch einen Bischof in einer aus­giebigen Weihehandlung gesegnet und der Gemeinde und ihrem Priester übergeben. Später erhielt der Altar einen Aufsatz, das Retabel, das zum Barock hin immer prunkvol­ler ausgestattet wurde. Der im Jahre 1984 neu errichtete Altar orientiert sich an der alten Überlieferung. Obwohl der ursprüngliche Altar ein Blockaltar gewesen ist, hat sich die Gemeinde für einen Tischaltar entschieden, der protestantischer Glaubensüberzeugung am besten ent­spricht. Er ist Mittelpunkt der Abendmahlsgemeinschaft mit Jesus Christus. Die massive Steinplatte nimmt den Ge­danken an den Grabstein Jesu wieder auf. Und die massi­ven Säulen deuten ihre ursprüngliche Herkunft aus dem Sarkophag an, beides als Symbol für das Erlösungswerk Jesu Christi, das erst die Abendmahlsgemeinschaft be­gründet. Das Halbrund des helleren Quarzes in jeder Stütze schließt sich für den Betrachter zum Oval zusammen, das man im Mittelalter als „Auge Gottes" deu­tete und zur Darstel­lung für „Gott Vater" verwendete. Gott Va­ter selber trägt so in der Sprache des Altars das Heilswerk Jesu Christi und die Abendmahlsgemein­schaft. Das Material des Altars ist, wie das der Kirche, Ruhrsandstein aus einem Syburger Steinbruch. Seine Maße richten sich nach dem Grundmaß der Kirche, das für die Stärke der Säulen maßgeblich war (1 Fuß = 30,8 cm), wäh­rend die Platte 1/2 Fuß stark ist (H: 3 Fuß, L: 6 Fuß, T: 3 1/2 Fuß). (Entwurf: Lie­senberg; Steinmetz-arbeiten: Oberste) -Errichtung am 1. 11. 1984.

Taufstein

12. Jahrhundert, romanisch, 1982 er­gänzt. Vom Aplerbecker Taufstein ist das eigentliche Taufbecken in Form eines Zylinders erhalten. Wie eine Bildge­schichte, ein Predigt-Comic sozusagen, werden 5 Szenen - 3 aus dem Leben Jesu und 2 über die Reaktionen der Menschen auf das Christusgeschehen -in der Mittelzone des Steins dargestellt. Eine Säule mit attischer Basis und korinthischem Kapitell, aus der ein Le­bensbaummotiv heraustreibt, markiert den Beginn. Ein romanischer Bogen­fries schließt sie nach oben ab. Die Szenen sind in den Stein hinein­gemeißelt, so daß die Oberflächenebene erhalten bleibt; sie sind mit linearen. Mitteln gestaltet. Auf natürliche For­men kommt es nicht an, es geht um die Symbolik. Die natürlichen Proportionen sind weitgehend aufgegeben, damit die Bildaussage betont wird.

Weihnachtsbild
Da ist Maria. Von einer Linie umfan­gen scheint sie geradezu aus dem Stein heraus Gestalt anzunehmen: ein über­großer Kopf, vom Haarkranz wie von einem Heiligenschein umgeben, der ein beseeltes Gesicht rahmt. Die Haare, in zwei Zöpfen mündend, wie zum Gebet über der Brust gekreuzt, und die Ge­bärde der Hand, Ausdruck des Schen­kens und der Weisung. Die Gestalt der Maria liegt gestreckt im unteren Bild­grund. Auf ihr ruht die Krippe in Gestalt eines Gotteshauses mit drei Doppelfenstern, erfüllt von dem kreuz­förmig gewickelten Jesuskind. Rechts die Figur des Joseph in einem Flechtstuhl. Gebärden und Gesicht drücken hilfloses Staunen aus. Bei bei­den Gestalten sind die Unterschenkel, weil für den heilsgeschichtlichen Vor­gang unwichtig, verkümmert. Über die Krippe machen Ochs und Esel deutlich, daß die Geburt des Heilandes alle Krea­tur angeht. Motiv und Gestaltung aus byzantini­scher Zeit, im 12. Jahrhundert im Köl­ner Raum häufig, auch in Soest, bis Schweden verbreitet.

Jesu Taufe
Johannes der Täufer - das härende Gewand ist unverkennbar - taucht Jesus in ein Taufbecken. Jesu Gesicht ist voll gespannter Aufmerksamkeit nach oben gewandt, während der Geist Gottes in Gestalt einer Taube auf ihn herabstürzt (Mk 1,11). Die Szene wird geschlossen durch eine Figur, gekleidet in ein gerafftes togaähnliches Gewand, die wie zum Empfang die geöffnete rechte Hand hinhält, während die Linke einen Fisch umfaßt, der über die Schulter auf das folgende Bild weist. Der Fisch, schon in vorderasiatischen Kulturen Symbol für ewigen Lebens, ist hier das Symbol für „Jesus Christus, Sohn Gottes".

Kreuzigungsszene
Die Kreuzigungsszene ist zu einem dramatischen Geschehen verdichtet. Ju­denknechte mit spitzen Hüten schwin­gen den Hammer und treiben mächtige Nägel durch Hände und Füße des Ge­kreuzigten. Seine Gestalt aber be­herrscht die Szene. Der Körper, in dul­dendem Schmerz zusammengesunken, läßt das Kreuz ganz in den Hinter­grund treten. Der Kopf sinkt in stillem Leiden zur Seite. Er ist übergroß gestal­tet und durch einen fein modellierten Kreuznimbus, einem Heiligenschein mit Kreuz, noch stärker hervorgehoben. Die Arme werden zur Steigerung- des Ausdrucks gelängt und wie die Haare in reine Linienbewegung überführt, als würden sie sich ausbreiten, während die Unterschenkel, auch hier unwichtig für die Aussage, verkürzt erscheinen.

Kindermord zu Bethlehem
Auf die drei entscheidenden Statio­nen in Gottes Heilshandeln für den Menschen in Geburt, Taufe, Kreuzi­gung folgen nun zwei Szenen, die in dialektischer Zuordnung darstellen, wie Menschen sich gegenüber Gottes Angebot verhalten. Zunächst: König Herodes läßt alle neugeborenen Jungen in Bethlehem ermorden, um damit den „neugebore­nen König" zu beseitigen. Herodes, die Krone auf dem Haupt, angetan mit dem Königsmantel, sitzt in lässiger Haltung mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einem römischen Stuhl, der sedula, und reicht einem Soldaten, der ihm ein gewickeltes Kind entgegenhält, das Schwert, während im linken Bild­feld ein zweiter Soldat auf grausamste Weise ein Kind enthauptet. Zu seinen Füßen liegt bereits ein abgeschlagener Kinderkopf. Mord und Verfolgung bei denen, die Gottes Angebot nicht annehmen.

Anbetung der heiligen drei Könige
In dreifacher Wiederholung, Steige­rung des Ausdrucks, sind die Gestalten der Könige hintereinandergeordnet, in gleicher Gewandung, gleicher Bewe­gung, gleicher Haltung der Anbetung und des Darbringens. Streng die Linienführung der Falten. Individuell gestaltet dagegen Bart- und Haartracht, der Ausdruck des Kopfes und die Kronen. Diese Gestaltung spiegelt Dynamik und Ergriffenheit zugleich wieder. Der Vorwärtsdrang der Königsge­stalten erhält ein Gegengewicht durch die Figur an der Säule, die den Königen entgegensieht, zugleich aber den Be­trachter anblickt. Diese Figur weist nach Art ottonischer Engel mit der rechten Hand über sich hinaus auf das Heilsgeschehen hin, das mit der Ge­burtsszene wieder beginnt, markiert durch die Säule, so daß die Ankom­menden in das Heilsgeschehen mit hin­eingenommen werden. So schließt sich der Kreis des Bild­bogens, der in hochromanischer Form­sprache seine Geschichte erzählt und die einheitliche Handschrift eines Künstlers verrät, der im kölnisch-west­fälischen Raum anzusiedeln ist und durchaus Originalität aufweist.

Sakramentshäuschen

Spätgotisch, 1964 nach alten Fotos restauriert durch A. Düchting (Soest), Planung Dr. E. G. Neumann (Landes­denkmalamt), ca. 5 m hoch mit spitzbogigen Feldern in spätgotischer „Eselsrücken"-Manier, die eine Nische mit schmiedeeisernem Gitter umgeben. In der Mitte eine Chri­stusfigur als Ecce homo mit Kreuz, Geißel und Dornen­krone, und im oberen Teil ein Kruzifix mit corpus. Seitlich davon zwei von Säulen getragene Konsolen, die ursprüng­lich die klassischen Golgatha-Figuren Maria und Johannes trugen. Geschmückt ist es mit zahlreichen Fialen, die mit Krabben und Kreuzblumen besetzt sind. Oben auf der Spitze ein Pelikan, der, wie die Sage berichtet, mit dem Schnabel seine Brust aufschlitzt, um seine Jungen zu näh­ren, ein in spätgotischer Zeit beliebtes Symbol für Christus, der sich für die Seinen hingegeben hat. Dreifach ist also die Erlösungstat Jesu dargestellt.

Altarleuchter

Honarius schreibt in seiner „Gemma animae" im 12. Jahrhundert über die Leuchter: „Vier Kerzenträger schrei­ten auf die rechte, drei auf die linke Seite des Altars. Sie drücken die sieben Gaben des Heiligen Geistes aus. Oft wird dazu auch der 7armige Leuchter verwendet, der riesige Ausmaße annehmen konnte" (z. B. Braunschweig). Außer den 7 Leuchtern trug man 2 Leuchter zum Altar und stellte sie rechts und links des Altars auf den Boden. Das war bis ins 9. Jahrhundert so. Erst später, in der romanischen Zeit, flankierten sie das Altarkreuz auf dem Altar. Sie galten als zwei Boten der Liebe, wie sie das Evangelium lehrt, der eine als Liebe zu Gott, der andere als Liebe zum Nächsten. Die beiden romanischen Altarleuchter der Georgskirche haben drei als Löwenpranken ausgebildete Füße, die aus einem Filigranwerk herauswachsen, in das Drachen ver­schlungen sind. Nach oben erhebt sich aus dem Geflecht in klarer Form Schaft, Schale und Dorn, die Kerze und Licht tragen. Christus als das Licht der Welt überstrahlt und bannt so die Mächte des Bösen. Dieses Licht des Heils steht deshalb sicher und fest mit seinen Löwenpranken auf dem Altarstein. Die Leuchter sind Repliken des Mindener Leuchters (um 1250) aus dem kulturgeschichtlichen Mu­seum in Dortmund in spezieller Bronzelegierung mit den Maßen 18,6 x 13,2 x 13,4 cm. (Bronzeguß in „verlorener Form" durch Abel, Aachen).

Arkadenleuchter

Die schmiedeeisernen Leuchter in den Arkaden nehmen im Knospenmotiv des Fußes, den Blattmotiven und den Blüten der Kerzenfassungen romanische Formelemente auf. Sie vereinigen sich zu einer Neugestaltung des Wurzel-Jes­se-Motivs (vgl. Jesaja 11,1), wonach sich der Stammbaum Christi aus der Wurzel Jesse, dem königlichen Hause David entwickelt, ein in der romanischen Kunst sehr beliebtes Motiv. Deshalb ist der obere Teil des jüdischen Leuchters in seiner Grundform gestaltet, dessen drei übereinander lie­gende Bögen nach oben geöffnet sind in der Erwartung des göttlichen Heils. Hier nun aber wölbt sich der erste Bogen über den zweiten und schließt ihn zum Kreis; er trägt er­höht drei Lichter, die Kreuzigungsszene, Zeichen des be­reits hier und jetzt angebrochenen Heils, das Hoffnung gibt auf eine endgültige Vollendung, wie es der dritte nach oben geöffnete Bogen ausdrückt. Die Leuchter sind 1985 geschaffen worden (Entwurf: Liesenberg; Schmiedearbeit: Wiethaus); ihre Maßverhält­nisse gehen vom Grundmaß der Kirche aus (1 Fuß 30,8 cm). Anzahl und Standort richten sich nach heutigen gottesdienstlichen Bedürfnissen.

Mittelschiffswand

12. Jahrhundert, romanisch. Zwischen massiven Mauer­pfeilern prägt ein doppelter Arkadenboden mit fein profi­lierter Mittelsäule den Wandaufbau. Die kleinen Seiten­schiffenster stehen in den Arkadenbögen wie in einem Rahmen und verleihen der Wand plastische Tiefe. über der Mittelsäule steht das doppelt so große Fenster des Oberga­dens. Die so entstehende senkrechte Gliederung der Wand führt über die Deckenkonstruktion zur Querverbindung mit der gegenüberliegenden Wand. Diese Struktur lud geradezu zur farbigen Gestaltung und Ausmalung ein, die nicht mehr erhalten ist. Dennoch bestimmt diese Wandkon­struktion in ihrer vierfachen Wiederholung (2 Joche) entscheidend den Raumeindruck.

Arkadensäule

12. Jahrhundert, romanisch. Gedrungen, mit attischer Basis und Ecksporn, wohlproportioniert, am Kopf ein fein profiliertes Würfelkapitell mit Eck- und Mittelgraten auf einem Wulst. über der hohlkehligen Abakusplatte ein Taustab. Darüber ein Profil von Wulst und Kehle, welches die Wucht der Wand in den Säulenschaft zwingt.

Kirchhofslaterne

Vor dem Gemeindehaus steht der Säulenstumpf der ehe­maligen Kirchhofslaterne, die früher dazu bestimmt war, das geweihte ewige Licht aufzunehmen. Die Laterne selber bestand aus einfachen Steinplatten, die wie der Stumpf mit gotischen Spitzbogenmotiven verziert war. Das Dach bestand aus zwei Steinplatten, die wie ein Satteldach gestellt waren mit einer Basis wahrscheinlich für eine
gotische Fiale.

Sölder Kreuz

Dieses Kreuz aus Sandstein ist ein besonders spannender historischer Fund. Es war im Keller eines Hauses in Sölde eingemauert, das um das Jahr 1900 errichtet wurde. Das Wichtigste ist die Inschrift:

ANO (= Anno)
1581
JOES (=Johannes) MULLENIUS
unleserlich
BROD
ER (= Bruder)

Das Kreuz wurde also vor über 400 Jahren einem Mann namens Johannes Mullenius gewidmet. Dieser wird als "Bruder" bezeichnet. Leider ist die 4. Zeile nicht zu entziffern. Sie enthielt wahrscheinlich eine nähere Angabe, ob Bruder als Verwandtschaftsverhältnis gemeint ist oder als Ordensbruder, Gildebruder oder sonst im übertragenen Sinn. Ursprünglich stand der Stein über lange Zeit im Freien. Dies belegen deutliche Verwitterungs-Spuren an den Oberseiten. Wo stand er und welchen Zweck hatte der Stein? Es könnte ein Grabmal gewesen sein. In diesem Fall stammt er sicher vom Friedhof der Georgskirche. Sie war über Jahrhunderte die einzige Kirche in unserer Gegend. Es ist nicht ungewöhnlich, dass alte Grabsteine in späterer Zeit zweckentfremdet wurden. Allerdings müsste man auf einem Grabmal nicht nur das Todesjahr, sondern auch das Sterbedatum erwarten. Es kann sich auch um ein Sühnezeichen, also eine Erinnerung an ein Verbrechen,  handeln, das am Ort des Geschehens aufgestellt wurde. Dann dürfte diese Stelle in Sölde gelegen haben. Das Steinkreuz steht in Dortmund und Umgebung ziemlich einzigartig da. Es ist als bewegliches Bodendenkmal in die Denkmalliste der Stadt Dortmund eingetragen.

Neuer Taufstein

Taufstein von 1705 mit Taufengeln und Weinmotiven, Anspielung auf das Jesuswort "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht" (Johannesevangelium 15,5).

Schwertspuren

Mit dem Bau des gotischen Chores entstand auch im Nordosten eine Sakristei mit zwei gestuften Außenstützen. Wenn die Ritter nun in eine Fehde zogen, so berichtet Brockpähler, suchten sie himmlischen Beistand, sei es nun durch die heiligen Märtyrer oder den Drachentöter, den heiligen Georg. Sie ritten zur Georgskirche und zogen ihre
Schwerter über die Köpfe der Außenstützen, um diese zu schärfen und vor allem den Segen der Märtyrer oder des heiligen Georg “auf ihre Waffen zu erfl ehen“. Dadurch sind die Köpfe der Säulen sehr in Mitleidenschaft gezogen worden und stark abgeschliffen. Im Dreißigjährigen Krieg, als die Schweden unter ihrem Oberst Crassenstein 1638 in Hörde einfielen und von der Sage über die geschliffenen Schwerter hörten, fanden sie, die Evangelischen, die eigentlich nichts von den Heiligen wissen wollten, es könne ja nicht schaden, wenn man dem Beispiel der Ritter folgte. Sie ritten nach Aplerbeck und schliffen ebenso ihre Schwerter an den Säulenköpfen. „So wurde in Aplerbeck an der alten Kirche die Stelle gezeigt, wo damals die Schweden ihre Säbel geschliffen haben“(Brockpähler). Bis heute kann man an den Säulenköpfen die Spuren dieses Tuns sehen.

Frauenpforte

An der Nordseite der Kirche befindet sich die zugemauerte ehemalige Frauenpforte. Frauen spielten bei der Einführung der Reformation in Aplerbeck eine wichtige Rolle. Pastor Moritz Lohoff überliefert dazu folgende die Sage: Nachdem schon die ganze Gemeinde wie ein Mann dem Evangelium zugefallen war, hielten nur noch der Pfarrer und sein Caplan am papistischen Irrtum fest. Als nun alle Bitten und Ermahnungen der Gemeinde, dass sie nach der Schrift predigen und nach Christi Einsetzung die Sakramente verwalten möchten, sich vergeblich erwiesen, kündigte man ihnen das Amt und berief sich einen neuen, der evangelischen Lehre ergebenen Pastor. Doch siehe da, als derselbe am Sonntag das Wort Gottes predigen und das Sakrament sub utraque(=in beiderlei Gestalt, also mit Brot und Wein) austheilen will, sind die alten Geistlichen ihm zuvorgekommen. In aller Frühe haben sie sich in die Kirche begeben und der eine die Kanzel, der andere den Altar eingenommen, wodann sie, als nun
die Gemeinde mit ihrem neuen Pfarrer erscheint, sofort nach altem papistischen Ritus zu celebrieren beginnen. Die Gemeinde stutzt und ist zunächst unschlüssig, was zu thun sei. Da endlich reißt den Weibern die Geduld, sie gehen frisch gegen Altar und Kanzel vor, fassen die ehrwürdigen Patres bei der Hand und führen sie durch die Kirche
hinaus. Hierauf wird zum Altar der neue Pfarrer geführt, welcher nun, da die Männer noch immer versteinert an ihren Plätzen haften, den Frauen zuerst das Sacrament unter beiderlei Gestalt spendet. Zum Gedächtniß dessen ist nun den Frauen der Vortritt beim Heiligen Mahle für ewige Zeiten zugestanden. (Erst nach dem 2. Weltkrieg ist dieser
Brauch abgeschafft worden).

Büßerpforte

Die linke, östliche Tür auf der Nordseite war der „Büßereingang“, durch den diejenigen die Kirche betraten, die eine Kirchenstrafe erhalten hatten. Sie wurden also geradezu vor der Gemeinde an den Pranger gestellt.

Okulus

Kreisförmige Fensteröffnung an der Sakristeimauer. Enmtweder sollte das Ewige Licht zu den Verstorbenen in den umliegenden Gräbern hinausstrahlen.

Turm

Wo man bei den großen romanischen Kathedralen das Westwerk findet, steht man bei der Georgskirche in Aplerbeck vor einem mächtigen Westturm. An seiner Fassade ist seine Baugeschichte abzulesen. Die rundbogigen, zweibahnigen Fenster am Turmschaft gliedern die Fassade erst seit dem Wiederaufbau 1926 -1928. Der Kranz der
spitzbogigen Maßwerkfenster unter der Dachtraufe stammt aus dem 14. Jahrhundert ebenso wie der ebenerdige spitzbogige Eingang. Man muss sich also bis ins 14. Jahrhundert den Turmschaft ganz ohne Fenster vorstellen. Der einzige Zugang lag in der Höhe des untersten Fensters. Die weißen Einfassungssteine rechts und links im Mauerwerk zeigen heute noch, wo er gelegen hat. Der Turm konnte also nur mit einer Leiter bestiegen werden. Das zeigt, dass er als Fluchtturm gebaut wurde. Denn auch vom Kirchenschiff aus gab es keinen Zugang.

Kriegerdenkmal von 1931

Die linke Ecke des Turmes zeigt den Erzengel Michael (nicht den Ritter Georg), der den Drachen, das Sinnbild des Bösen, bekämpft und als Schutzheiliger der Deutschen gilt. Er gab dem damals errichteten Anbau mit dem Sonnenraum und somit der ganzen Anlage den Namen „Michaelsbau“. Das Denkmal ersetzte das „Germania“-Denkmal am Markt, das Ende der 1920er Jahre abgebaut worden war. Das Kriegerdenkmal wurde nach dem 2. Weltkrieg und in den 80er Jahren ergänzt. Der Anbau mit dem Sonnenraum wurde nach Fertigstellung des Gemeindehauses 1979 abgerissen.

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